#Der_andere_Frühling

Es wird so zart mit dem Licht und gelb und so,
und das Gras riecht wie grün.
Gras riecht immer wie grün,
wie Hoffnung eben, und das macht froh.

M.B. Hermann

April 2020-der Frühling steht in den Startlöchern. Die Sonne scheint und erweckt die Natur aus ihrem Winterschlaf. Farbenfroh präsentieren sich Frühblüher, bedecken den Boden und vertreiben dabei das winter-grau. Für mich ist der Frühling mit die schönste Jahreszeit, wenn die Sonnenstrahlen meine Haut anfangen zu wärmen und ich das Gefühl habe, dass auch mein Körper aus dem Winterschlaf erwacht. Frühling ist für mich bunt, leicht und beschwingt, steht für Hoffnung, Wachstum, Neubeginn, Zuversicht und dem Gefühl, das alles möglich ist!

Der Frühling 2020 ist ein anderer, denn die Welt wird bestimmt von einem Virus namens Corona.

Vor ein paar Monaten war das Virus noch in China, also gefühlt weit weg von uns und unserem Alltag. Man sah die Bilder der Sterbenden in den Medien, hätte aber in dem Moment nicht gedacht, dass auch unser Leben in Europa und Deutschland wenig später von Corona geprägt sein wird. Ich will nicht ausführlich meine Gedanken zu der aktuellen Situation schreiben, denn es sollte in dem Post um den Frühling gehen und doch komme ich nicht drum herum auch von Corona zu sprechen, denn dadurch erlebe ich wie viele Menschen auch einen anderen Frühling. Seit Wochen herrscht eine Kontaktsperre, die für mich keine Herausforderung darstellt, denn den Großteil meiner Zeit verbringe ich allein. Abstand halten beim Einkaufen ist auch ein Punkt, den ich begrüße und als ungemein angenehm empfinde. Auch meine Arbeitsbedingungen haben sich durch das Homeoffice vieler Kollegen verbessert, Atemschutzmaske tragen ist für mich so selbstverständlich wie mein Fahrradhelm oder die Sonnenbrille, die mein täglicher Begleiter ist. Mir fällt es nicht schwer noch mehr auf Hygiene zu achten, um mich und andere zu schützen. All diese Schutzmaßnahmen, die mein Leben derzeit prägen und auch die temporäre Einschränkung von Grundrechten wie der Versammlungsfreiheit machen mir keine Angst und stimmen mich weniger nachdenklich, als das asoziale Verhalten von Teilen der Bevölkerung, welches sich in sogenannten Hamsterkäufen oder in aggressivem Verhalten in Alltagssituationen zeigt. Und dann gibt es noch die Momente der fassungslosen Sprachlosigkeit, wenn Menschen sagen, dass ihr Leben nicht lebenswert sei, weil die Konzert-oder Fußballsaison dieses Jahr ausfällt oder das ihnen ein Jahr Lebensqualität geklaut wird, damit ältere Menschen vor Corona geschützt werden, die ihr Leben bereits gelebt haben und sowieso sterben werden. Solche Gedankengänge von anderen Menschen zu hören, macht mir mehr Angst als an Corona zu erkranken. Und sie bringen mich zum Nachdenken in welcher Gesellschaft ich lebe, in der Menschen ihr Leben wertvoller erachten als das ihres Gegenübers.

Frühling war für mich immer verbunden mit Kraft, Wachstum und Hoffnung. Dieser Frühling wird mir dieses Grundgefühl in meinem Herzen nicht nehmen, auch wenn die Umstände mich anders durch die Natur gehen lassen, mein Blickfeld sich auf meine Umgebung verändert und die leichte Beschwingtheit einer inneren Unsicherheit gewichen ist. So nehme ich aber die Wärme der Sonne wahr, das farbenfrohe Kleid der Natur, die Konzerte der heimischen Vögel und die Ruhe, die all das ausstrahlt. Das Leben ist entschleunigt und so laufe ich durch diesen Frühling mit einem Mundschutz und sehe die Welt mit bewussteren Augen, achte mehr auf Details, übe mich in Achtsamkeit und genieße all das mit dem Wissen, dass nächstes Jahr auch wieder ein Frühling kommen wird!

Bleibt gesund und #StayAtHome !

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